Elle

 

Nach einer brutalen Vergewaltigung entspinnt sich ein Katz-und-Maus-Spiel zwischen einer Geschäftsfrau und dem unerkannten Täter – aber wer ist hier die Katze? Isabelle Huppert ist ein leuchtender Solitär in diesem drastischen Psychothriller von Paul Verhoeven.

 

 

Genre: Thriller

Land: Belgien, Deutschland, Frankreich

Regie: Paul Verhoeven

Cast: Isabelle Huppert, Laurent Lafitte, Anne Consigny

Laufzeit: 126 min

FSK: ab 16 Jahren

 

Start:  ab 17. Märzim Mozartkino

 

Hinterrücks wird sie überfallen, zu Boden gedrückt, aufs blanke Parkett, ihr Kleid hochgerissen. Eine brutale Vergewaltigung, völlig unvorhergesehen, abends, in der gediegenen Altbauwohnung, durch einen Unbekannten in schwarzer Skimaske. Doch die Geschäftsfrau Michèle (Isabelle Huppert), erfolgreiche Chefin eines Computerspielstudios, reagiert nicht so, wie die Konvention das von einem Vergewaltigungsopfer verlangt. Zunächst macht sie weiter, als wäre nichts geschehen: Kehrt die Scherben zusammen, nimmt ein Bad, bestellt Sushi, berät ihren erwachsenen Nichtsnutz von Sohn bei der Wohnungssuche, hört klassische Musik. Nein, keine Anzeige. Doch zunehmend scheinen Michèle die Männer ihrer Umgebung verdächtig: Ihr Exmann. Der Mann ihrer besten Freundin Anna, mit dem Michèle seit Jahren eine Affäre hat. Der neue Nachbar. Ihre Spieldesigner im Studio, einer von ihnen hat es seit Langem offenbar auf Michèle abgesehen. Dann taucht ein krude animiertes Monstersexvideo mit Michèles hineinmontiertem Kopf auf. Aber wer steckt dahinter? Michèle bekommt anonyme Nachrichten, die ihr klarmachen: Der Angreifer beobachtet sie weiter. Und sie beschließt, die Sache selbst in die Hand zu nehmen, kauft Pfefferspray und eine Axt. Denn nein, zur Polizei will sie immer noch nicht. Ganz allmählich wird ihr die Vergewaltigung zum Katalysator einer Selbstermächtigung: Michèle durchschaut das testosterongetränkte Beziehungsgeflecht ihrer Mitarbeiter, sie beendet eine Affäre und beginnt eine andere, sie verabschiedet sich endlich von den Geistern ihrer eigenen Biografie. Und ihr gelingt eine perfide Rache. Mehr als ein Thriller ist Elle eine boshafte, irritierend komische Gesellschaftskomödie, die um eine wahr gewordene Vergewaltigungsfantasie herum gedeiht und blüht: In seinem ersten Kinofilm seit zehn Jahren, nach dem Bestseller von Oh … von Philippe Djian, erfüllt der erprobte Kino-Provokateur Verhoeven die Traditionen des bourgeoisen französischen Lustspiels mitsamt Affären, Verwechslungen und Verlogenheiten, und kombiniert sie mit dem Rape-Revenge-Motiv zu etwas faszinierend Neuem: Elle ist schierer Aberwitz. Aber unbedingt sehenswert. Text: Magdalena Miedl

 

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